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Andere Heimaten:
Herkunft und
Migrationsrouten von
Drogenverkäufern in
Berliner Parks


Museumsausstellung und Veranstaltungen
in Friedrichshain-Kreuzberg Museum
Rosa Luxemburg Salon
Südblock aquarium
November 2017 – Januar 2018

Andere Heimaten: Herkunft und Migrationsrouten von Drogenverkäufen in Berliner Parks


Museumsausstellung und Veranstaltungen
in Friedrichshain-Kreuzberg Museum
Rosa Luxemburg Salon
Südblock aquarium
November 2017 – Januar 2018

„Drogendealer zählen zu den meist gehassten Personen unserer Gesellschaft. [...] Kaum eine lebt aber auch so sehr hinter dem dämonisierenden Schleier rassistischer und kriminalistischer Klischees verborgen.”

Bettina Paul u. Henning Schmidt‑Semisch,
Drogendealer: Ansichten eines verrufenen Gewerbes.
(1998)

„Drogendealer zählen zu den meist gehassten Personen unserer Gesellschaft. [...] Kaum eine lebt aber auch so sehr hinter dem dämonisierenden Schleier rassistischer und kriminalistischer Klischees verborgen.”

Bettina Paul u. Henning Schmidt‑Semisch,
Drogendealer: Ansichten eines verrufenen Gewerbes.
(1998)

Die Ursprünge der Ausstellung „Andere Heimaten“

„Andere Heimaten“ gehört zu einer Reihe von Ausstellungen, Werken und Interventionen, die aus Scott Holmquists Beschäftigung mit der jüngeren Geschichte zivilen Ungehorsams und erfolgreichen, aufständischen Bewegungen in Berlin resultieren. Die erste Ausstellung in dieser Reihe war „Peace.Love.Insurgency.“ (Washington, DC, 2013), wo u.a. gespiegelte Grundrisse zukünftiger Museen und Listen ihrer Werke gezeigt wurden. Sie bildete die Grundlage für die Ausstellung und Intervention „Die dritte Mauer und der letzte Held“, die 2014 im Friedrichshain-Kreuzberg Museum in Berlin gezeigt wurde. In Form einer Collage eines leeren Sockels auf dem ein Denkmal für die afrikanischen Drogendealer gestanden haben soll, das in der Zukunft jedoch zerstört worden sein wird, erschien in dieser Ausstellung zum ersten mal das Denkmal "Letzter Held". 2016 hat ein offizieller Antrag Holmquists für ein solches Denkmal an die Stadt Berlin für internationales mediales Aufsehen gesorgt. Auf Einladung des Friedrichshain-Kreuzberg Museums entwickelte Holmquist, basierend auf seiner Auseinandersetzung mit den Drogendealern im Görlitzer Park und der Hasenheide, die Ausstellung „Andere Heimaten“.

Ausstellungsrecherche – Individuelle Profile / Mediensammlung

Afrikanisch stämmige Immigranten in Berliner Parks sowie in anderen Städten Deutschlands und Europas sind zum öffentlichen Sinnbild für Drogenverkäufer geworden. „Andere Heimaten - Herkunft und Migrationsrouten von Drogenverkäufern in Berliner Parks“ ist ein Ausstellungs- und Forschungsprojekt, das versucht den seltsam anmutenden Hass auf Drogenverkäufer zu durchbrechen, welcher zur meist tolerierten Bigotterie der Welt geworden ist und der sich zunehmend mit Formen von Rassismus verbindet. Infolgedessen wird die Mehrheit der Park-Drogenverkäufer, nicht nur unverhohlen als „Dealer“ gehasst und zu Opfern von Rassismus, sie werden auch deshalb benachteiligt, weil ihnen damit die genuine Menschlichkeit abgesprochen wird von einem realen Ort zu stammen – aus einer anderen Heimat.

Ansichten der Ausstellung "Andere Heimaten" im Kreuzberg Museum

Die Ausstellung besteht aus zwei Forschungsbereichen. Eine basiert auf einer umfangreichen Mediensammlung über den öffentlichen Drogenhandel in Deutschland. Sie zeigt eine Reihe von Pressefotos von "Dealern", die häufig explizit rassistische Stereotype bedienen. Zum anderen befragte Holmquist zwischen 2015 und 2017 Drogenverkäufer im Park Hasenheide und im Görlitzer Park. Hierbei erhielt er Unterstützung vom gambischen Flüchtlingsaktivist Moro Yapha.

Um die dreizehn Profile der Drogenverkäufer zu erstellen lief Holmquist – an den Sommertagen und -nächten im Jahr 2017 – systematisch durch sämtliche Dealerzonen der Parks und kontaktierte all diejenigen, die sich als solche zu erkennen gaben. Erklärten sie sich bereit ihre Muttersprache, ihren Herkunftsort und ihre Migrationsroute nach Europa zu offenbaren, wurden ihre Angaben ins Projekt integriert. Besonders vertrauliche Fragen als auch individuelle Gründe für Migration wurden dabei bewusst vermieden.

Die fünf Teile der Ausstellung

Bilder auf Ausstellungsansichten

● Stehende menschliche Silhouetten fungieren als Schautafeln – jede enthält Karten, Illustrationen und Texte. Diese beschreiben in der jeweiligen Muttersprache die Herkunft sowie Migrationswege der befragten Drogenverkäufer. Deutsche und englische Übersetzungen liegen zu Füßen der Figuren zum Mitnehmen bereit. So werden die Besucher dazu angehalten vor der Figur in die Knie zu gehen.

● Eine Auswahl der Mediensammlung von mehr als 500 Zeitungsartikeln und Bildtableaus über den Drogenhandel im öffentlichen Raum der letzten 25 Jahre in Deutschland (hier Online verfügbar) ist auf Tischen und Tafeln präsentiert, die komplette Sammlung ist in Ordnern zusammen mit wissenschaftlichen Artikeln und Buchbeiträgen zum Thema einsehbar und wird ständig aktualisiert.

● Über ein Reiseportal – ein Tisch mit zwei Computer-Arbeitsplätzen – kann man Reisen von Berlin aus zu jedem einzelnen Herkunftsort der Dealer planen und buchen. Während der Ausstellung war das Reiseportal auch online zu erreichen.

● Untermalt wird die Ausstellung von einer Vier-Kanal Sound-Collage aus Geräuschen des öffentlichen Lebens aus verschiedenen afrikanischen Orten, die Tom Ritchford für die Ausstellung entwickelt hat.

● Der Prototyp einer Stahlfigur sowie verschiedene Architektur-Pläne zeigen die mögliche Variante einer Außeninstallation der Ausstellung – menschlicher Silhouetten im Viktoriapark und dem Görlitzer Park in Berlin.

Perspektivwechsel und Podiumsdiskussionen

Alle Karten in der Ausstellung wurden um 90° von Norden nach Osten gekippt. Dadurch befand sich Westafrika oben und mittig auf der Karte. Es fanden außerdem vier Podiumsdiskussionen über Rassismus, Post-Kolonialismus und die Scheinheiligkeit in der Anti-Drogendealer-Debatte statt.

Presse der Superlative und versuchte Zensur

Die Ausstellung hatte schon vor, aber auch nach ihrer Eröffnung mehr Medienaufmerksamkeit und Diskussionen erzeugt als jede andere Einzelausstellung in Deutschland im Jahres 2017. Dabei löste sie ein Gemisch aus Empörung und Unterstützung aus. In den ersten Wochen nach Eröffnung war die Besucherzahl viermal so hoch wie gewöhnlich – laut der Mitarbeiter einmalig in der Geschichte des Museums (Gästebuch hier verfügbar).

  
Berichte in Tageszeitungen: TAZ, Bild, Berliner Zeitung

Es gab politische Bemühungen die Ausstellung zu verhindern; die deutsche Boulevardpresse behandelte sie mehrheitlich als Skandal. Burkard Dregger, innenpolitischer Sprecher der CDU, sprach sich fast einen Monat vor Eröffnung gegen die Ausstellung „Andere Heimaten“ aus und bezeichnete in der „Bild“ als "Ausdruck völliger Verkommenheit". Timur Husein, Bezirksverordneter der CDU erzwang in einer Bezirksverordnetenversammlung eine Abstimmung über einen Antrag, der den Bezirk dazu bewegen sollte seine finanzielle Unterstützung für die Ausstellung zurückzuziehen und sie wenige Tage vor Eröffnung abzusagen. Dies konnte durch die Unterstützung der Partei Bündnis 90/Die Grünen und der Linkspartei verhindert werden.

Die Hamburger Universitätsprofessorin Bettina Paul, die führende Expertin für Drogenkriminalität in Deutschland, verteidigte die Ausstellung beim nationalen Ableger des Sender „N-TV“ und erklärte die Ausstellung als "einzigartig,[...] immanent wichtig und mutig."

Dr. Massimo Perinelli schrieb in einer Rezension auf der Website des Rosa-Luxemburg-Stiftung: „Die diskursive Lücke zwischen der medialen Hetze gegen „schwarzafrikanische Dealer“ und die naive Beschreibung ihrer Herkunftsorte stiftet produktive Verwirrung und entfaltet solchermaßen genau jenen Raum, den eine konstruktive Debatte bräuchte, in der es um Entrechtung, Drogenkonsum, Drogenhandel, Flüchtlingspolitik, Kriminalisierung und Kriminalität, (Un-) Sichtbarkeiten und Nutzung des öffentlichen Raums gehen kann.”

Die Ausstellung steht geeigneten Orten für eine Neuinstallation oder lokale Adaptation zur Verfügung.

Die Ursprünge der Ausstellung „Andere Heimaten“

„Andere Heimaten“ gehört zu einer Reihe von Ausstellungen, Werken und Interventionen, die aus Scott Holmquists Beschäftigung mit der jüngeren Geschichte zivilen Ungehorsams und erfolgreichen, aufständischen Bewegungen in Berlin resultieren. Die erste Ausstellung in dieser Reihe war „Peace.Love.Insurgency.“ (Washington, DC, 2013), wo u.a. gespiegelte Grundrisse zukünftiger Museen und Listen ihrer Werke gezeigt wurden. Sie bildete die Grundlage für die Ausstellung und Intervention „Die dritte Mauer und der letzte Held“, die 2014 im Friedrichshain-Kreuzberg Museum in Berlin gezeigt wurde. In Form einer Collage eines leeren Sockels auf dem ein Denkmal für die afrikanischen Drogendealer gestanden haben soll, das in der Zukunft jedoch zerstört worden sein wird, erschien in dieser Ausstellung zum ersten mal das Denkmal "Letzter Held". 2016 hat ein offizieller Antrag Holmquists für ein solches Denkmal an die Stadt Berlin für internationales mediales Aufsehen gesorgt. Auf Einladung des Friedrichshain-Kreuzberg Museums entwickelte Holmquist, basierend auf seiner Auseinandersetzung mit den Drogendealern im Görlitzer Park und der Hasenheide, die Ausstellung „Andere Heimaten“.

Ausstellungsrecherche – Individuelle Profile / Mediensammlung

Afrikanisch stämmige Immigranten in Berliner Parks sowie in anderen Städten Deutschlands und Europas sind zum öffentlichen Sinnbild für Drogenverkäufer geworden. „Andere Heimaten - Herkunft und Migrationsrouten von Drogenverkäufern in Berliner Parks“ ist ein Ausstellungs- und Forschungsprojekt, das versucht den seltsam anmutenden Hass auf Drogenverkäufer zu durchbrechen, welcher zur meist tolerierten Bigotterie der Welt geworden ist und der sich zunehmend mit Formen von Rassismus verbindet. Infolgedessen wird die Mehrheit der Park-Drogenverkäufer, nicht nur unverhohlen als „Dealer“ gehasst und zu Opfern von Rassismus, sie werden auch deshalb benachteiligt, weil ihnen damit die genuine Menschlichkeit abgesprochen wird von einem realen Ort zu stammen – aus einer anderen Heimat.

Ansichten der Ausstellung "Andere Heimaten" im Kreuzberg Museum

Die Ausstellung besteht aus zwei Forschungsbereichen. Eine basiert auf einer umfangreichen Mediensammlung über den öffentlichen Drogenhandel in Deutschland. Sie zeigt eine Reihe von Pressefotos von "Dealern", die häufig explizit rassistische Stereotype bedienen. Zum anderen befragte Holmquist zwischen 2015 und 2017 Drogenverkäufer im Park Hasenheide und im Görlitzer Park. Hierbei erhielt er Unterstützung vom gambischen Flüchtlingsaktivist Moro Yapha.

Um die dreizehn Profile der Drogenverkäufer zu erstellen lief Holmquist – an den Sommertagen und -nächten im Jahr 2017 – systematisch durch sämtliche Dealerzonen der Parks und kontaktierte all diejenigen, die sich als solche zu erkennen gaben. Erklärten sie sich bereit ihre Muttersprache, ihren Herkunftsort und ihre Migrationsroute nach Europa zu offenbaren, wurden ihre Angaben ins Projekt integriert. Besonders vertrauliche Fragen als auch individuelle Gründe für Migration wurden dabei bewusst vermieden.

Die fünf Teile der Ausstellung

Bilder auf Ausstellungsansichten

● Stehende menschliche Silhouetten fungieren als Schautafeln – jede enthält Karten, Illustrationen und Texte. Diese beschreiben in der jeweiligen Muttersprache die Herkunft sowie Migrationswege der befragten Drogenverkäufer. Deutsche und englische Übersetzungen liegen zu Füßen der Figuren zum Mitnehmen bereit. So werden die Besucher dazu angehalten vor der Figur in die Knie zu gehen.

● Eine Auswahl der Mediensammlung von mehr als 500 Zeitungsartikeln und Bildtableaus über den Drogenhandel im öffentlichen Raum der letzten 25 Jahre in Deutschland (hier Online verfügbar) ist auf Tischen und Tafeln präsentiert, die komplette Sammlung ist in Ordnern zusammen mit wissenschaftlichen Artikeln und Buchbeiträgen zum Thema einsehbar und wird ständig aktualisiert.

● Über ein Reiseportal – ein Tisch mit zwei Computer-Arbeitsplätzen – kann man Reisen von Berlin aus zu jedem einzelnen Herkunftsort der Dealer planen und buchen. Während der Ausstellung war das Reiseportal auch online zu erreichen.

● Untermalt wird die Ausstellung von einer Vier-Kanal Sound-Collage aus Geräuschen des öffentlichen Lebens aus verschiedenen afrikanischen Orten, die Tom Ritchford für die Ausstellung entwickelt hat.

● Der Prototyp einer Stahlfigur sowie verschiedene Architektur-Pläne zeigen die mögliche Variante einer Außeninstallation der Ausstellung – menschlicher Silhouetten im Viktoriapark und dem Görlitzer Park in Berlin.

Perspektivwechsel und Podiumsdiskussionen

Alle Karten in der Ausstellung wurden um 90° von Norden nach Osten gekippt. Dadurch befand sich Westafrika oben und mittig auf der Karte. Es fanden außerdem vier Podiumsdiskussionen über Rassismus, Post-Kolonialismus und die Scheinheiligkeit in der Anti-Drogendealer-Debatte statt.

Presse der Superlative und versuchte Zensur

Die Ausstellung hatte schon vor, aber auch nach ihrer Eröffnung mehr Medienaufmerksamkeit und Diskussionen erzeugt als jede andere Einzelausstellung in Deutschland im Jahres 2017. Dabei löste sie ein Gemisch aus Empörung und Unterstützung aus. In den ersten Wochen nach Eröffnung war die Besucherzahl viermal so hoch wie gewöhnlich – laut der Mitarbeiter einmalig in der Geschichte des Museums (Gästebuch hier verfügbar).

  
Berichte in Tageszeitungen: TAZ, Bild, Berliner Zeitung

Es gab politische Bemühungen die Ausstellung zu verhindern; die deutsche Boulevardpresse behandelte sie mehrheitlich als Skandal. Burkard Dregger, innenpolitischer Sprecher der CDU, sprach sich fast einen Monat vor Eröffnung gegen die Ausstellung „Andere Heimaten“ aus und bezeichnete in der „Bild“ als "Ausdruck völliger Verkommenheit". Timur Husein, Bezirksverordneter der CDU erzwang in einer Bezirksverordnetenversammlung eine Abstimmung über einen Antrag, der den Bezirk dazu bewegen sollte seine finanzielle Unterstützung für die Ausstellung zurückzuziehen und sie wenige Tage vor Eröffnung abzusagen. Dies konnte durch die Unterstützung der Partei Bündnis 90/Die Grünen und der Linkspartei verhindert werden.

Die Hamburger Universitätsprofessorin Bettina Paul, die führende Expertin für Drogenkriminalität in Deutschland, verteidigte die Ausstellung beim nationalen Ableger des Sender „N-TV“ und erklärte die Ausstellung als "einzigartig,[...] immanent wichtig und mutig."

Dr. Massimo Perinelli schrieb in einer Rezension auf der Website des Rosa-Luxemburg-Stiftung: „Die diskursive Lücke zwischen der medialen Hetze gegen „schwarzafrikanische Dealer“ und die naive Beschreibung ihrer Herkunftsorte stiftet produktive Verwirrung und entfaltet solchermaßen genau jenen Raum, den eine konstruktive Debatte bräuchte, in der es um Entrechtung, Drogenkonsum, Drogenhandel, Flüchtlingspolitik, Kriminalisierung und Kriminalität, (Un-) Sichtbarkeiten und Nutzung des öffentlichen Raums gehen kann.”

Die Ausstellung steht geeigneten Orten für eine Neuinstallation oder lokale Adaptation zur Verfügung.

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